Diese kleine Geschichte ist, wenn man den Angaben in dem entsprechenden Usenet-Posting trauen kann, von /\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\Beisskante/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ Hier nun eine kleine, etwas boesartige Geschichte, die ich geschrieben habe um mir und euch das Weihnachtsfest zu verschoenen. Aehnlichkeiten mit tat- saechlichen Begebenheiten und Personen sind durchaus erwuenscht. ##################################################################### # COPYRIGHT # # # # Diese kurze Geschichte darf auf allen Rechnernetzen, Mailboxen # # und sonstigen Netzdiensten frei kopiert und weitergegeben werden, # # solange sie nicht veraendert wird. # ##################################################################### Feiner Schneegries wurde zart vom Wind vor sich hergetrieben. Die Weihnachtsbeleuchtung zauberte wunderbare Lichteffekte auf die Schlieren des wirbelnden Schnees. Es war der 9. Dezember 1995, noch drei Wochen bis Weihnachten. Der Tauentzien in Berlin, dieser Wurmfortsatz des Kurfuerstendamms. Zwischen Gedaechtnisskirche und Wittenbergplatz hetzten an diesem "langen Samstag" berliner Familien, Paerchen sowie kleinere Touristengruppen umher. Waehrend die einen schon voellig ueberladen mit den Einkaufstueten kaempften, waren andere vorwiegend damit beschaeftigt, ihre Kinder hinter sich her, bzw. von den diversen Berufsweihnachtsmaennern fortzuzerren. Irgentwie hatte die Szene etwas das so gar nicht zum Fest der Besinnung und der Liebe passen wollte. Da schrie eins der fortgezerrten Kinder, dort ohrfeigte eine Frau ihren, ob der vielen Tueten und Pakete wehrlosen, Mann, weil er vergessen hatte in welchem Parkhaus sie ihr Auto geparkt hatte. An der Ecke Nuernberger Strasse wurde ein alkoholisierter Obdachloser von sechs groelenden Skinheads zusammengeschlagen. Waehrend der wenigen Minuten die sie dafuer benoetigten, ehe sie sich an den naechsten Gluehweinstand begaben, um ihren Sieg ueber den Volksschaedling zu feiern, waren bestimmt zweihundert Menschen vorbeigegangen oder geschoben worden. Keiner hatte eingegriffen oder auch nur etwas dazu gesagt bis auf einen alten Mann im Kamelhaarmantel mit Pelzkragen. Er hatte seinen Silberknaufkrueckstock geschwungen und Sieg Heil gebruellt. Ploetzlich kam jedoch Interesse bei den Passanten auf: ein dunkelblauer Mercedes, der die Busspur benutzt hatte um schneller vorwaerts zu kommen, hatte beim Einscheren wegen eines haltendes Busses einen alten klapprigen Golf gerammt, der nicht gebremst hatte, sondern mit drei Metern Abstand im Stau seinem Vordermann gefolgt war. Als nun beide Fahrzeuglenker ausgestiegen waren und der Golffahrer sich als Fahrerin , noch dazu mit bunten Haaren herausstellte, waren die Parteien schnell gefunden. Waehrend ein nickelbebrillter Herr, der sich als Oberstudienrat Kasmierzky vorstellte, die Partei der buntbehaarten ergriff, war sich die Mehrheit der Umstehenden sofort einig, dass solch asoziales Hausbesetzergesindel an allem Schuld sei. Schlieslich haette Sie doch dem Herrn Rechtsanwalt, als der sich der Daimlerfahrer im blauen Nadelstreifen herausgestellt hatte, den Vorrang gewaehren koennen. Schlieslich haette der ja wohl nicht die Busspur genutzt, wenn er es nicht eilig gehabt haette zu einem wichtigen Termin zu kommen. Waehrend die inzwischen vom Gluehwein seligen Skinheads sich daran machten immer schoen abwechselnd in die Tueren des Mercedes zu treten und das Dach des Golf mit Baseballschlaegern zu bearbeiten, war auch die Frau aus der Nobelkarosse gestiegen und hatte angefangen auf die Golffahrrerin loszu- gehen. Erst hatte sie ihr eine Ohrfeige versetzt, was diese mit einem Tritt gegen das Schienbein quittierte. Jetzt kam es zu Szenen wie in einem Boxerzelt auf dem Jahrmarkt. Laute Anfeuerungsrufe brandeten auf. Die Bunthaarige antwortete auf einen Faustschlag indem sie ihrer Kontrahentin den Pelz vom Leib riss und darauf triumphierend herumtrampelte. Diese lies derartigen Umgang mit ihrem muehsam im Ehebett erarbeiteten Luxus nicht ohne Gegenschlag. Noch ehe die Mueslischlampe sich versah hatte ihre Folklorebluse unter den reissenden Haenden der vornehmen Dame den Geist aufgegeben. Nun kam Stimmung in die Sache, waehrend die Touristen und auch die Skinheads Beifall klatschten ob der ploetzlich freigelegten BH-Losen Brueste, versuchten die Muetter und Vaeter ihren Nachwuchs von diesem unanstaendigen Anblick fernzuhalten. Der Studienrat hatte sich zwischenzeitlich seines Parkas entledigt und begonnen seine im Sportfernsehen erworbenen Wrestlingkentnisse am Anwalt auszuprobieren. Dieser war erstmal angehoben worden und auf das Plaster geschleudert worden. Waehrend die Barbusige ihre Gegnerin mit kurzen Haken bearbeitete kam der Jurist auf die Beine und schleuderte seinen Gegner gegen einen am Strassenrand stehenden Muellcontainer. Er bewies seinerseits das auch er bei Kampfsportuebertragungen aufgepasst hatte indem er mit beiden Beinen gleichzeitig in das Gesicht des Paedagogen sprang. Auf Anregung der Umstehenden hatte die Anwaltsgattin inzwischen ebenfalls die Freilegung ihres Oberkoerpers erfahren. Irgendwie sah das jetzt richtig Professionell aus wie die beiden schweisnassen Frauenleiber sich umtanzten und Haken und Geraden austauschten. Viele die sich auf den Boxkampf zwischen Schulz und Botha im Fernsehen gefreut hatten waren sich einig, dass so ein Frauenkampf doch etwas besonderes sei. Nachdem auch der sechste Mannschaftswagen eingetroffen war hatte die Polizei endlich den Mut gefunden einzugreifen. Waehrend es sich der goldbesternte Einsatzleiter nicht nehmen lies persoenlich die Verhaftung der Bunthaarigen durchzufuehren und dabei mehrmals voellig unbeabsichtigt an ihren vollen Bruesten abglitt, war es den jungen Maennern aus der Polizei- schule vorbehalten den Studienrat zu ueberwaeltigen. Die andren Mitglieder des Einsatzkommandos versuchten derweil den Anwalt ohne Gewaltanwendung in den Einsatzwagen zu draengen, schlieslich will man ja keinen Prozess wegen Koerperverletzung im Amt riskieren. Die Skinheads hatten sich zwischenzeitlich von ihren jungen Kollegen verabschiedet und waren in Richtung Polizeikaserne aufgebrochen. Jetzt waren endlich alle Randalierer im Polizeigewahrsam. Der erste Einsatzwagen setzte sich in Bewegung und raste mit Blaulicht auf die Kreuzung. Hier nun zeigte sich wie gut es ist, dass es im Westteil der Stadt nicht diese fuerchterlichen, Umweltfreundlichen aber gefaehrlichen Strassenbahnen gibt. Ein Zusammenstoss mit einer solchen haette der Polizeiwagen sicher nicht ueberstanden. So bohrte er sich nur in einen Linienbus schleuderte nach rechts und kam mit mittelmaessigem Frontschaden zum stehen nachdem er mit der Seite noch gegen den Notarztwagen gerutscht war, der zum Abtransport der verletzten Polizeischueler eingetroffen war. Waehrend die Ordnungshueter nun mit sich selbst mehr als beschaeftigt waren, nutzten einige inzwischen eingetroffene Berufslinke die unerwartete Strassensperre um eine Spontandemonstration ins leben zu rufen. Binnen kurzem waren alle moeglichen Gegenstaende von Cirkusplakaten bis zu den Sexbarschildern eines Sandwichmanns zu Plakaten fuer alles moegliche geworden. Da die Demo nicht geplant war hatte es ja keine einheitliche Loesung gegeben, wofuer oder wogegen es eigentlich ginge. Waehrend eine junge Tuerkin gegen das Walschlachten der Norweger Protestierte lief an ihrer Seite ein Baertiger mit Norwegerpulli der gegen die Menschenrechtsverletzungen in der Tuerkei ein ehemaliges Plakat fuer den Verkauf von heissen Maroni zweckentfremdet hatte. Die groesste Gruppe bildeten diejenigen, die gegen den Bundeswehreinsatz in Bosnien waren oder Soldaten als Moerder entlarven wollten, schlieslich durften sie ja mit hoechstrichterlicher Genehmigung Tucholski zitieren. Binnen kurzer Zeit hatten sich alle, die es irgentwie einrichten konnten, der Protestgemeinschaft angeschlossen. Auch wenn die meisten gar nicht wussten worum es ging, hatte sich doch bald der Bereich vom Cafe Kranzler bis zur versperrten Kreuzung mit allen moeglichen Demonstranten gefuellt. Eigentlich haette man nicht vermutet, dass es mitten in diesem Konsumrummel so viele politisch bewusste und auf eine bessere Weltordnung versessene Mitmenschen gibt. An der Spitze des Zuges hatten sich derweil zwei Obdachlose mit einem Uniprofessor sowie einem Vorstandsmitglied der PDS ueber einen guten und nuetzlichen Demonstrationszweck geeinigt. Nachdem der Notarztwagen umgeworfen war, war der Weg zum neubestimmten Ziel der Spontanzusam- menrottung frei. Unter absingen der Internationale machte sich der Zug daran ueber das Kadewe herzufallen. Nachdem im Eingangsbereich einige Kunden unter den Tritten des Revolutionskommandos den Tod gefunden hatten, reagierte die Geschaeftsleitung und verschanzte sich mit den Mitarbeitern in der Lebensmittelabteilung im sechsten Stock. Den meisten Kunden gelang es ueber die Parkhausuebergaenge zu entkommen. Einige rannten auch geistesgegenwaertig in die Schreibwaren und Stoffab- teilung und versahen sich mit Transparenten und Plakaten, um sich unauf- faellig unter die Angreifer zu mischen. Eine Aushilfsverkaeuferin der Abteilung fuer Herrenhuete hatte sich unterdessen den Anfuehrern des Besetzungskommandos als Beraterin zur Verfuegung gestellt und dem Revolutionsrat, der neben dem Uniprofessor, den Obdachlosen und dem PDS'ler nun noch aus einem Vertreter des DGB, einer Nonne und einem ehemaligen FDP Abgeorneten bestand, in den Verwal- tungstrakt gefuehrt. Somit war es moeglich die Aktionen ueber das Hauseigene Lautsprechersystem zu steuern. Da es sich mit leerem Magen schlecht Revolutioniert und die Lebensmit- telabteilung ja vom Personal verteidigt wurde, beschloss man zuerst die im Erdgeschoss befindliche Suesswarenabt. aufloesen zu lassen und Schoko- weihnachtsmaenner und Lebkuchen zur Staerkung des Soviet heranzuziehen. Auch wurde nicht vergessen ein Kommando in den Davidoff-Shop zu senden, welches auf dem Weg zur Kommandozentrale noch kurzerhand ein paar Walkie-Talkies und zwei tragbare Computer zur Koordination des Unternehmens beschlag- nahmte. Eh es nun die weitere Durchfuehrung des Kommandounternehmens geklaert werden konnte, waren die Mitglieder des Revolutionsrates erstmal zwei Stunden damit beschaeftigt mit Fernsehteams von RTL, SAT1 und PRO7 ueber die Sende- rechte fuer Liveuebertragungen aus dem Kaufhausinneren zu verhandeln. Schlieslich gingen nach zaehen Verhandlungen die RTL Leute als Sieger herhor. Zwar hatte SAT eins eine Million mehr geboten, aber auch darauf bestanden Margarethe Schreinemakers als Moderator einzusetzen. PRO7 zog sein Angebot zurueck, nachdem der Revolutionsrat erklaert hatte die Rechte nur an den Sender zu vergeben wenn Arabella Kiesbauer oben ohne moderieren wuerde. Somit war dann der Weg fuer RTL frei die Rudi Carell und den ausge- liehenen David Letterman angeboten hatten. Da das nun geklaert war, begann man die Ziele des Unternehmens zu praezie- sieren. Als erstes machte man sich daran die Stromversorgung des Schlem- merbereiches zu unterbrechen. Wenn dem Personal das gekuehlte Bier und die warmen Speisen ausgehen wuerde, haette man es bestimmt einfacher diesen letzten Widerstand zu brechen. Dann wurden Aussenteams gebildet. Als erstes mussten das Fernsehgebaeude des SFB, alle Kraftwerke und die Steuerung der U-Bahn in die Haende der Umstuerzler gebracht werden. Als weiteres Ziel wurde der Flughafen Gatow bestimmt. Dort war leistungsfaehiges militaerisches Geraet zu finden, um mit Luftunterstuetzung alle Widerstandsnester des Gegners, wie Polizeistationen und vor allem den Preussischen Landtag, in dem sich die Landesregierung zur Krisensitzung zusammengefunden hatte, auszuraeuchern. Auftrieb erhielt das Unternehmen als zeitgleich zwei Kommandounternehmen bekannt wurden, die das Alsterhaus in Hamburg, sowie die Karstadtfilliale in der Muenchner Innenstadt in ihre Gewalt gebracht hatten. Als dann noch ein Telegramm aus Moskau eintraf, in dem ein altkommunistisches Militaerkommitee atomare Unterstuetzung anbot, war klar das hier etwas grossartiges im Gange war. Nicht mehr der Weihnachtsrummel war angesagt, nein die anarchistische Revolution wuerde ueber ganz Europa schwappen und mit etwas Geschick wuerde man es schaffen auch die dritte Welt von den Fesseln des amerikanischen Imperialismus zu befreien! Alles war auf dem Weg in eine bessere Welt, nie wieder wuerden Menschen von Konsumzwaengen unterdrueckt werden. Aus Bonn und Den Haag trafen dann auch die ersten Kapitulationsmeldungen der dortigen Regierungen ein. Allerdings hatte sich der Bundeskanzler mit einer Luftwaffenmaschiene in die USA absetzen koennen und wurde dort von der Kongressmehrkeit zum Nachfolger Bill Clintons gewaehlt, der sich zusammen mit seiner Katze vergiftet hatte. Nach drei Tagen hatte sich die Lage einerseits eingependelt, andererseits war sie Brisanter denn je. Die unter dem Kommando der Revolutionaere stehenden Nuklearstreitkraefte der ehemaligen Sovietunion und Englands, standen den Truppen der USA, unter dem Befehl des ehemaligen Bundes- kanzlers und der franzoesischen Force de Frappe gegenueber, die sich unter dem Oberkommando des Erzbischofs von Paris befand, nachdem der Praesident der Republik es vorgezogen hatte sich mit einigen seiner Minister nach Nordafrika abzusetzen, wo sie von einer Gruppe islamischer Fundamen- talisten ueberwaeltigt wurden. Nach einer unbestaetigten Version gelang es jedoch dem ehemaligen Praesidenten und seiner Frau zu entkommen und in Casablanca auf ein Visum in die USA zu warten. Was nun das Folgende ausloeste weis noch heute niemand zu sagen. Jedenfals erschienen ploetzlich ueber allen Grossstaedten der Welt seltsam geformte Raumschiffe. Ruhig standen sie in der Luft und tauchten alles in ein gespentisches buntes Licht. Das Bemerkenswerteste jedoch war, dass diese fliegenden Kolosse nicht einfach stumm blieben oder infernalischen Laerm veranstalteten. Nein, vielmehr war ein Geraeusch in der Luft, als wenn tausend Harfen auf einmal angeschlagen wuerden um ein Bachoratorium zu intonieren. In den Kommandozentren der Machtbloecke war man ob des unerwarteten Gegners erstmal ratlos. Koennte man einen Angriff der Ausserirdischen uebertehen? War es gegebenenfalls sogar moeglich den Gegner in die Flucht zu schlagen? Das Problem wurde selbstverstaendlich dadurch verschaerft, dass die Militaers der Revolution und der Konterevolution sich nicht ihrer Geheimhaltung entboessen wollten und daher keine Koordination der Vorgehensweise gegen die Aliens moeglich war. Dann aber passierte es: in den Raumschiffen oeffneten sich hunderte von Luken. Begleitet von einem Klang der sich wie die Weihnachtsmusik in den Kaufhaeusern der vorrevolutionaeren Zeit anhoerte, wurden Tausende und Abertausende von kleinen Flugkoerpern ausgespuckt. Alle hatten das selbe Aussehen, sie aehnelten einem Schlitten, wie wir ihn noch aus Kinderbuechern kennen und wurden von Hirschen mit Bastgeweih gezogen. Auf jedem Schlitten sass ein Wesen in roter Kleidung mit einem langen, wallenden weissen Bart. So kam es, dass die Revolution scheiterte und auch die Regierungen des Kontrablocks abdankten. Die Ausserirdischen uebernahmen die Macht und nun sitzen an allen Schluesselstellungen der Weltregierung und der Verwaltungen Weihnachtsmaenner. Aber das war ja vorher auch nicht anders und so geht alles seinen lauf.